Das Kräuterweible von Rickenbach

 

Einst lebte am Heuried bei Rickenbach ein Kräuterweible, das überall umherwanderte um Beeren und Kräuter zu sammeln. Als es eines Tages bei der Wettertanne am Kapf ein Zäpfle in deren Wurzel stecken sah, hörte es eine Stimme, die ihm sagte: ‚Entferne das Zäpfle und bitte mich heraus, und ich will dir alle Heilkräuter zeigen, die es gibt.’ Das Weible tat, wie ihm geheißen, und der Teufel leibhaftig kroch in Gestalt eines kleinen Männleins hervor und ging mit dem Weible überall hin und zeigte ihm alle Kräuter. Das Weible aber wurmte es sehr, dass es dem Teufel zur Freiheit verholfen hatte, und es dachte sich eine List aus. Es ritzte heimlich drei Kreuze in das Zäpfle und sagte zu dem Teufel: ‚Das muss ein gar mächtiger Zauberer gewesen sein, der dich in den Wurzelstock verbannt hat, alleine kommst du wohl sonst nicht in ein so enges Loch.’ Der Teufel sagte, das wäre für ihn doch eine Kleinigkeit, und sogleich verschwand er in dem kleinen Loch, um dies zu beweisen. Das listige Weible steckte sofort das Zäpfle fest in das Loch, und der Teufel war wieder eingesperrt.

Das Kräuterweible nutzte sein erlangtes Wissen um die Kräuter nun zum Nutz und Frommen der Leute.

Bald aber neidete der Bader zu Lindau dem Kräuterweible seine Kunst und bezichtigte es der Hexerei.

Das Weible gab bei der folgenden Befragung umgehend zu, dass es die Kunst vom Teufel erlernt, diesen aber mit einem Zäpfle mit drei eingeritzten Kreuzen in einem Wurzelstock eingesperrt habe. So sind der Büttel und der Vogt mit den Rickenbachern zu der Wettertanne aufgestiegen, um sich von der Wahrheit der Geschichte zu überzeugen. Und tatsächlich wetterte eine Stimme aus dem Wurzelstock, worauf der Kaplan sofort begann, den Exorzismus zu beten. Die Rickenbacher errichteten einen Scheiterhaufen um die Tanne und entzündeten diesen mit geweihtem Feuer. Da zerriss der Teufel mit einem gewaltigen Schrei den Wurzelstock, dass es von den nahen Bergen widerhallte. Glut und Funken stoben, und der Teufel verschwand in einer stinkenden Schwefelwolke in Richtung der Teufelswiese. Seither ist der Teufel nie mehr in leiblicher Gestalt in Lindau erschienen.

In dem Loch, das er gerissen hatte, fand man die Reste eines Schatzes, den ein Zauberer mit Hilfe des Teufels gehoben und diesen dabei in dem Wurzelstock festgesetzt hatte.

Das Kräuterweible aber wurde freigesprochen, denn den Teufel zu betrügen, sei kein strafbarer Umgang.

Also wenn du einmal einem Kräuterweible begegnest, dann tu das mit größtem Respekt, denn es hat auch schon den Teufel überlistet !!!